Die kommunalen und staatlichen
Medienzentren in Deutschland verfügen über umfangreiche, inhaltlich
sehr breit angelegte Verleiharchive audiovisueller Medien für den
Unterricht und die außerschulische Bildungsarbeit. In jüngster
Zeit kommen weitere Distributionswege wie der Erwerb von Kreis- und
Landeslizenzen sowie die Online-Distribution hinzu. Bei mehreren tausend
Titeln im Angebot sind aussagekräftige, kundenorientierte Informationen
eine unabdingbare Notwendigkeit. Das Erschließen und Bereitstellen
der entsprechenden Daten ist eine aufwändige und komplexe Tätigkeit,
die in jedem Medienzentrum geleistet werden muss.
Da die Bestände der Medienzentren zu 50% bis 70% identisch sind,
bietet es sich an, einheitliche Datenstrukturen zu schaffen und die
Medien arbeitsteilig zu erschließen. |
Die inhaltlichen Grundlagen
für die Information über Bildungsmedien zu schaffen, war und
ist Aufgabe der AG Mediendistribution und Dokumentation.
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe sind für die Mediendokumentation
zuständige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesmedienzentren
und des FWU, Vertreter des Bundesarbeitskreises Medien (BAK), die die
Interessen der kommunalen Medienzentren wahrnehmen, sowie Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter aus den Bereichen Verleih, Online-Distribution und Vertrieb
der Ländereinrichtungen. Die Medienzentren Österreichs, der
Schweiz und Südtirols nehmen am Informationsfluss und teilweise
auch an den Sitzungen der AG teil.
Die wesentlichen Aufgaben der Arbeitsgruppe sind:
- Weiterentwicklung eines einheitlichen Daten-Austauschformats
für Bildungsmedien (EAF).
- Pflege der bundeseinheitlichen, auf die Anforderungen von
Schule und Bildungsarbeit abgestimmten Sachgebietssystematik.
- Pflege und Fortentwicklung des kontrollierten Schlagwortverzeichnisses.
- Bereitstellen von Datensätzen für die Online-Distribution
von Medien.
- Definition und Fortschreibung technischer Standards für
Medien-/Computereinsatz in der Schule.
- Entwicklung von Kriterien für Begleitmaterialien und
deren Einarbeitung in die Datenbank Bildungsmedien.
- Mitwirkung bei der Entwicklung von Lizenzmodellen und Fragen
der Medienkonfektionierung.
Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe finden im Wesentlichen ihren Niederschlag
in der Datenbank Bildungsmedien. Diese dient den
Medienzentren zur Information über die auf dem deutschen Markt
vorhandenen Medien, stellt gegen einen Kostenbeitrag die Daten im einheitlichen
Austauschformat für deren Distributions-EDV-Systeme zum Download
bereit und informiert über den Deutschen Bildungsserver die breite
Öffentlichkeit über das Angebot an audiovisuellen und elektronischen
Bildungsmedien in Deutschland. |
| Der
Weg zum einheitlichen Daten-Austauschformat
Seit
in Deutschland audiovisuelle Medien für Schulen produziert und
verliehen werden, seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts
also, müssen diese dokumentiert und die Daten veröffentlicht werden.
Lange Zeit, bis in die Mitte der achtziger Jahre, kam man mit
Karteikarten sowie meist maschinengeschriebenen und kopierten
Listen aus. Erst die steigende Vielfalt der Medientitel und -produzenten,
vor allem aber die Einführung der Videokassetten, die zu einer
sprunghaften Titelvermehrung führte, und der gestiegene Serviceanspruch
der Kunden machte die Einführung der EDV in den Bildstellen notwendig.
Diese ermöglichte wiederum eine viel genauere Information über
die Medieninhalte, was zu einem erheblichen Mehraufwand für Dokumentation
in den einzelnen Bildstellen/Medienzentren führte, den es
in dieser Form zuvor gar nicht gegeben hatte. Daher wurde nahezu
zeitgleich mit der Einführung der Bildstellen-Verleih- und -Informationssysteme
der Ruf nach gemeinsamer, arbeitsteiliger Medienerschließung,
einer zentralen Datenbank und problemlosem Datenaustausch laut.
Dass es fast zwanzig Jahre dauern würde, bis diese, eigentlich
selbstverständlichen Ziele - regional immer noch sehr unterschiedlich
- verwirklicht sein würden, konnte sich kaum einer der damaligen
Computerpioniere vorstellen.
Die Gründe dafür sind vielfältig, lagen und liegen im Kern aber
in der länderzentrierten Struktur des deutschen Bildungssystems,
die im Bereich der Medienversorgung der Schulen durch die entscheidende
Rolle der Kommunen als Sachaufwandsträger geradezu atomisiert
wird.
Doch nun der Reihe nach:
Bereits in den 1970-er Jahren wurde unter Federführung des FWU
ein Modellversuch „Aufbau einer Datenbank AV-Medien“ durchgeführt,
der 1978 u.a. in das „Regelwerk zur formalen Erfassung und
inhaltlichen Erschließung von audiovisuellen Medien“ mündete,
das nicht nur im Bildstellensystem, sondern auch bei kirchlichen
Medienzentren, Rundfunkanstalten, Universitäten und Zentralarchiven
auf großes Interesse stieß. In diesem Regelwerk sind wesentliche
Elemente der heutigen Datenbanken bereits definiert, so die fünfstufige
Gliederung der Sachgebietssystematik, die Kennzeichnung der Medienarten
mit Schlüsselnummern, ein eindimensionales Schlagwortverzeichnis,
Abkürzungen für technische Angaben und Adressaten, Regeln für
Inhaltsangaben, Lernziele, Urheberrechtsangaben usw. Leider konnte
diese Datenbank zunächst technisch nur im FWU umgesetzt werden.
An den Landes- und kommunalen Bildstellen wurden nur Bruchteile
der Informationen auf Papier bzw. Karteikarten erfasst.
Die ersten EDV-Systeme für Bildstellen wurden Ende der siebziger
Jahre an der Kreisbildstelle Siegburg auf einem Großrechner des
Landratsamts und 1983 an der Kreisbildstelle Mühldorf auf einem
der frühen PCs eingeführt. Erst 1985 zogen die Landesbildstellen
nach (Baden-Württemberg mit einer Landeslizenz für das Sinix-Programm
MEDIO, das aus der Mühldorfer PC-Lösung hervorgegangen war). Bis
1991 folgten die meisten anderen Landesbildstellen, wobei jede
inhaltliche Änderungen am Datensatz oder an den inhaltlichen Definitionen
wie z.B. der Sachgebietssystematik vornahm. Da das Mehrplatzsystem
MEDIO für die meisten Kreis- und Stadtbildstellen zu teuer war,
wurden dort parallel zu dieser Entwicklung eigene, meist stark
abgespeckte PC-Lösungen eingeführt. |
Dem Wunsch nach Erleichterung der
Medienerschließung kam das FWU 1988 mit der Einführung des Datenbank-Service-Formats
(DBS) und einem halbjährlichen Datenservice auf Disketten nach.
Dieser Dienst wurde von vielen Medienzentren gerne angenommen
und bildete die Datengrundlage, auch wenn nur FWU-Medien verzeichnet
waren und etliche Medienzentren inhaltliche Änderungen an den
Datensätzen vornahmen, um regionale Bedürfnisse besser abdecken
zu können.
Mit zunehmender Verbreitung der EDV wuchs die Notwendigkeit, auch
die Daten der Nicht FWU-Medien nicht in jeder Bildstelle selbst
erschließen zu müssen. Einem gemeinsamen Datenpool standen aber
die unterschiedlichen Strukturen und vor allem abweichende Definitionen
der Inhalte identischer Felder entgegen. Zudem wurde die FWU-Sachgebietssystematik
von vielen Bildstellen als zu kompliziert kritisiert.
Daher gründeten die Landesbildstellen und das FWU 1993 eine Arbeitsgruppe
zur Vereinheitlichung der Sachgebietssystematiken und der Datenstrukturen
im Bildstellenwesen der Bundesrepublik. Da sich die Arbeitsgruppe
meist an der Landesbildstelle Hessen traf, wurde sie bald „Frankfurter
Gruppe“ genannt. Das ursprüngliche Ziel, eine einheitliche Systematik
wenigstens in den ersten drei Unterebenen zu schaffen, erwies
sich als nicht praktikabel. So entstand bis 1995 eine komplett
durchstrukturierte Systematik, die in den Folgejahren aufgrund
von Praxiserfahrungen stetig aktualisiert und weiter entwickelt
wurde.
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 Nahezu parallel
dazu wurde 1994 bis 1998 der „Modellversuch Datenverbund Bildungsmedien“
(DVB) durchgeführt, der das Ziel hatte, eine gemeinsame Medien-Datenbank
zu errichten, die kooperative Erschließung online ermöglicht.
In enger Kooperation mit der „Frankfurter Gruppe“ wurde ein
Austausch-Format (ATF) eingeführt, das auf dem DBS-Format des
FWU beruhte, dieses aber wesentlich weiter entwickelte und die
bundeseinheitliche Systematik einbezog. Leider konnten die Ergebnisse
des Modellversuchs nicht in den Dauerbetrieb überführt werden.
Dies scheiterte vor allem an technischen Problemen wie den damals
noch langsamen und teuren Internet-Verbindungen, vor allem aber
daran, dass die 16 Bundesländer sich nicht auf die Finanzierung
des Betriebs einer gemeinsamen Medien-Datenbank einigen konnten.
1998 wurde im Rahmen des Modellversuchs NuBB und parallel durch
Gründung der AG Datenbank Bildungsmedien ein erneuter Anlauf
zum Aufbau einer gemeinsamen Datenbank gemacht, in die nun auch
die Schulfunk-/Schulfernsehproduktionen der öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten und die in Nordrhein-Westfalen aufgebaute,
durch bundesweite Kooperation gepflegte Datenbank SODIS für
Computersoftware integriert werden sollte. Zu diesem Zweck wurde,
basierend auf den bisherigen Entwicklungen, das „Erweiterte
Austausch Format EAF“ entwickelt, mit dem das FWU und die meisten
staatlichen und kommunalen Medienzentren heute arbeiten.
Im Jahr 2000 erhielt das FWU den Auftrag den Bereich „Schule“
im Deutschen Bildungsserver aufzubauen und zu betreuen. Erst
in diesem Rahmen wurde es möglich, eine gemeinsame „Datenbank
Bildungsmedien“ einzurichten und zu betreiben. Sie weist heute
über 60.000 Medien des FWU, der Landesmedienzentren Baden-Württemberg
und Sachsen und des von Nordrhein-Westfalen aufgegebenen Projekts
SODIS, das im Auftrag der Bundesländer vom FWU weitergeführt
wird, nach.
Angesichts der rapiden und schwerwiegenden Veränderungen im
Bildstellensystem und bei der Mediennutzung in Schulen ist die
Datenbank Bildungsmedien als gemeinsamer Informationspool wichtiger
denn je.
Johannes Philipp |
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